Unsere Fantasie schreibt Geschichte

Erfahren Sie mehr über den Weg der Philippinen zum Ehrengast und was sie zu ihrem Motto inspirierte.

Tab 1

Geschichte

Kooperierende Behörden

Die Philippinen stehen als Ehrengast der 77. Frankfurter Buchmesse 2025 im Mittelpunkt. Diese nationale Initiative wird durch die Zusammenarbeit des National Book Development Board, der National Commission for Culture and the Arts, des Department of Foreign Affairs, und des Büros der Senatorin Loren Legarda.

Eine Gemeinschaftsarbeit von

National Book Development BoardNational Commission for Culture and the ArtsDepartment of Foreign AffairsOffice of Senator Loren Legarda

National Book Development Board

Das National Book Development Board (NBDB) ist eine staatliche Behörde, deren Gründung auf Gesetz 8047 der Republik, auch bekannt als „Book Publishing Industry Development Act“, zurückzuführen ist und das Engagement der Regierung für die zentrale Rolle von Büchern bei der Entwicklung unseres Landes zeigt. Das NBDB ist für die Gestaltung und Umsetzung einer nationalen Buchpolitik und eines nationalen Buchentwicklungsplans verantwortlich, um das Wachstum der Verlagsbranche zu fördern.

National Commission for Culture and the Arts

Die National Commission for Culture and the Arts (NCCA) ist das übergeordnete politische Entscheidungsgremium der Philippinen und eine Behörde, die die Erhaltung, Entwicklung und Förderung der philippinischen Kunst und Kultur koordiniert und Zuschüsse vergibt.

Department of Foreign Affairs (DFA)

Das Department of Foreign Affairs (DFA) ist als zentrale Behörde über ihre Auslandsvertretungen für die Politik der Philippinen verantwortlich und stellt die Hauptvertretung der philippinischen Regierung im Ausland dar.

Büro der Senatorin Loren Legarda

Senatorin Loren Legarda ist die treibende Kraft hinter dem Ehrengastauftritt der Philippinen auf der Frankfurter Buchmesse 2025. Seit 2015 setzt sie sich für diese Vision ein, indem sie drei wichtige staatliche Behörden und die richtigen Personen zusammenbringt, um diese wegweisende Initiative Wirklichkeit werden zu lassen.

Unsere Geschichte

Bronze statue of Jose Rizal holding a quill to his chin.

Jose Rizals „Noli Me Tangere” gilt als „erste große künstlerische Manifestation des asiatischen Widerstands gegen den europäischen Kolonialismus“ und erzählt die Geschichte von Crisostomo Ibarra und dem Kampf der Philippinen gegen die Grausamkeit und Korruption der spanischen Kolonialregierung. In seinem Buch „Brains of the Nation” stellt der National­künstler Resil Mojares fest, dass die Veröffentlichung von „Noli Me Tangere” im Jahr 1887 „ein entscheidender Moment in der philippinischen Geistesgeschichte“ war und „radikal aufrührerisch, da sie von einem Einheimischen mit Blick auf den aktuellen Diskurs in Europa geschrieben wurde, um den Filipinos ihre Fähigkeit vor Augen zu führen, ihre eigene Gesellschaft zu verstehen, darzustellen und damit zu lenken.“

Rizals Romane, „Noli Me Tangere” und seine Fortsetzung „El Filibusterismo”, beeinflussen die philippinische Literatur noch heute. Ihre Auffassung von Politik, Nationalismus und sozi­aler Beobachtung war so einflussreich, dass sie von der spanischen Kolonialregierung zwar verboten, aber trotzdem in der Bevölkerung verteilt wurden. Wegen seiner vermeintlich sub­versiven Haltung wurde Rizal 1896 von der Kolonialregierung verbannt und hingerichtet. Dennoch haben seine Werke bei den Philipinner*innen ein Feuer entfacht und ihr opposi­tionelles Bewusstsein geweckt.

Rizals Freund Valentine Ventura schrieb Rizal aus Paris und bemerkte zu den Wellen, die sein „Noli” vor Ort schlug: „[Ihre] Kampagne auf den Philippinen war nicht ganz vergebens.“

Nach dem Erscheinen von „Noli” wurden weitere Visionen zur Zukunft der Philippinen for­muliert, die maßgeblichen Einfluss auf ihre Literatur hatten. Der Auftritt als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2025 wird diese aufs Neue verstärkt in den Mittelpunkt stellen, auch wenn der Weg nicht ohne Herausforderungen ist.

Die erste Teilnahme

Delegates at the Philippine stand in 2015
Delegierte am philippinischen Stand im Jahr 2015

Die allererste Teilnahme des National Book Development Board (NBDB) an der Frankfurter Buchmesse fällt in das Jahr 1998. Damals präsentierten 45 Verlage 302 Buchtitel unter dem Motto Hundert Jahre philippinische Unabhängigkeit. Der philippinische Stand war damals acht Quadratmeter groß.

Bis zum Jahr 2000 nahmen die Philippinen noch zweimal an der Frankfurter Buchmesse teil und dann erst wieder 2015. Das NBDB entsandte zwei Delegierte, die damalige NBDB-Vorsitzende Flor Marie Sta. Romana Cruz und die Geschäftsführerin III Graciela Mendoza Cayton, die der FBM bereits 2014 einen Sondierungsbesuch abgestattet hatte.

Da für die Gestaltung des philippinischen Standes kein Budget vorhanden war, wandte sich Karina A. Bolasco, die damalige Direktorin des Ateneo De Manila University Press und Vorstandsmitglied des NBDB, 2015 an Senatorin Loren Legarda, da sie wusste, dass diese sich leidenschaftlich für die Unterstützung des Kunst- und Kultursektors einsetzte. Die Senatorin half, indem sie den Kontakt zu einer Institution vermittelte, die auch die Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse unterstützen konnte. Seitdem hat Senatorin Legarda dem NBDB regelmäßig zusätzliche finanzielle Unterstützung für diese Zwecke gewährt.

Dies markierte zugleich den Beginn der Kampagne, die Philippinen zum Ehrengast der Frankfurter Buchmesse zu machen.

Der Weg zum Ehrengast

Senatorin Loren Legarda wird zur Visionärin und treibenden Kraft der Bewerbung des Landes als Ehrengast. Karina A. Bolasco informiert sie über die Frankfurter Buchmesse und ihre Bedeutung.

Während eines Besuchs in Manila richtet Senatorin Legarda ein Abendessen für Vertreter:innen der Frankfurter Buchmesse unter Leitung ihres Direktors und Geschäftsführers Juergen Boos aus. Im selben Jahr reichen die Philippinen ihre Absichtserklärung für den Ehrengastauftritt durch die damalige Vorsitzende der NBDB, Neni Sta. Romana-Cruz, ein.

The Philippine stand in 2019
Der philippinische Stand im Jahr 2019

Senatorin Legarda trifft sich erneut mit Juergen Boos in Frankfurt, unter Begleitung der damaligen philippinischen Botschafterin in Deutschland Theresa de Vega, des stellvertretenden Generalkonsuls Emil Fernandez, der Vorsitzenden des NBDB Flor Marie Sta. Romana-Cruz, des Vorstandsmitglieds des NBDB Karina A. Bolasco und der FBM-Vizedirektorin Claudia Kaiser. Senatorin Legarda erkundigt sich nach den Anforderungen für die Bewerbung als Ehrengast.

Auf dem Höhepunkt der COVID-19-Pandemie, trifft sich Senatorin Legarda im Juli erneut mit den Verantwortlichen der Frankfurter Buchmesse, um den Stand der Dinge zur philippinischen Bewerbung als Ehrengast zu besprechen. Dabei wird vor allem erörtert, wie sich die Pandemie auf die Bewerbung ausgewirkt hat. Die Senatorin betont, dass die Philippinen weiterhin entschlossen seien, die Anforderungen für die Bewerbung als Ehrengast zu erfüllen. Dabei wird bekannt, dass der Ehrengastauftritt wegen der Pandemie auf 2025 verschoben werden muss.

The core team of the Philippines as Guest of Honour at the Frankfurt Book Fair. 2023
Das Kernteam der Philippinen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2023.

Im Juni trifft sich Senatorin Legarda wieder mit Vertreter:innen der FBM. Diesmal gibt Juergen Boos bekannt, dass der FBM-Vorstand der Bewerbung der Philippinen als Ehrengast für 2025 zugestimmt hat. Bei diesem Treffen werden erneut die administrativen Anforderungen besprochen. 

Am 18. August 2023 wird schließlich das offizielle Memorandum of Agreement (MOA) mit den Philippinen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse in Davao City von FBM-Direktor Juergen Boos und vom NBDB-Vorsitzendem Dante Francis Ang II unterzeichnet. 

Schnell wird deutlich, dass die Durchführung dieses Großprojekts erhebliche Ressourcen und Koordination erfordert. Der philippinische Ehrengast-Auftritt umfasst einen 2.000 Quadratmeter großen Pavillon, eine strategisch kuratierte Auswahl an Büchern und Autor:innen, ein dynamisches Kulturprogramm und eine Kommunikationskampagne, die darauf abzielt, die weltweite Sichtbarkeit zu erhöhen. 

Die National Commission for Culture and the Arts, das National Book Development Board, das Department of Foreign Affairs und das Büro der Senatorin Loren Legarda schließen sich daraufhin zum Ehrengast-Komitee der Philippinen zusammen, um ihr Fachwissen und Engagement zu bündeln. Diese Kooperation soll die philippinische Verlagsbranche und ihre Hauptakteure dabei unterstützen, einem weltweiten Publikum Geschichten von den Philippinen zu präsentieren.

Am 20. Oktober 2024 übergibt Italien als Ehrengast der FBM 2024 die GastRolle offiziell an die Philippinen.

Während der FBM 2024 stellen die Philippinen das visuelle Erscheinungsbild, ihr Gastlandmotto und erste Pläne für 2025 vor. Das Thema The Imagination peoples the air / Fantasie beseelt die Luft ist von Jose Rizals wegweisendem Roman Noli Me Tangere inspiriert Vom 17. bis 20. Oktober präsentieren sich mehr als 70 Verleger:innen, Autor:innen und Kreative mit über 700 Titeln am philippinischen Stand und auf verschiedenen Bühnen der FBM, vertreten durch die Genres Graphic Novel, Kinderliteratur, New Adult und Bildung.

Neben dem Auftritt auf der FBM 2024 findet vom 24.-27. Oktober in Heidelberg und Wilhelmsfeld ein viertätiges Eröffnungsprogramm unter dem Titel In the air statt. Es begibt sich auf die Spuren von Jose Rizals Vermächtnis als Nationalheld, Dichter und Denker, das zahlreiche Filipinos inspiriert hat, und beleuchtet die Eindrücke, die er in Deutschland gewann und die sein Werk und seine Ideenwelt prägten. Das Programm befasst sich auch mit allgemeineren Themen wie Heimat, Exil und internationale Solidarität und untersucht deren Bedeutung für die heutige philippinische Diaspora und den Einfluss dieser Auslandserfahrungen auf die philippinische Literatur.

Tab 2

Kuratorischer Ansatz

Scene from a live performance during the launch of Philippines as Guest of Honour featuring Jose Rizal.

Der Ehrengastauftritt der Philippinen auf der Frankfurter Buchmesse steht unter dem Motto Fantasie beseelt die Luft. It is lifted from Jose Rizal’s novel Noli Me Tangere, den Jose Rizal 1887 in Deutschland schrieb, genauer aus dem Kapitel über Sisa. Der vollständige Satz der englischen Übersetzung lautet:

Fantasie beseelt die Luft
mit Gespenstern

und wurde von Charles Derbyshire aus dem spanischen Original ins Englische übertragen. Im besagten Abschnitt des Romans sucht die verwirrte Mutter Sisa nach ihren beiden Söhnen Crispin und Basilio, von denen einer geschlagen und der andere des Diebstahls beschuldigt wird.

Später stirbt sie in einem Wald und wird von Basilio begraben. Die eindrückliche Szene schildert, wie sie bis tief in die Nacht auf ihre Söhne wartet. Dabei irren ihre Gedanken rastlos umher und das Geheul eines schwarzen Hundes erschreckt sie bis ins Mark. Rizal beschreibt eine flirrende Dunkelheit, eine Nacht voller Glauben und Beschwörung. „Die Nacht fördert die Einbildungskraft, und bald sieht man überall Gespenster.“ Diese Gespenster kriechen in ihren Körper. „Aber plötzlich spürte sie, wie sich ihr Haar sträubte, und ihre Augen öffneten sich unnatürlich weit: Täuschung oder Wirklichkeit, sie sah Crispin beim Herd stehen.“

Derbyshire übersetzt das spanische imaginación mit dem englischen Wort imagination im Sinne von Einbildungskraft. Angesichts von Sisas Leben als verzweifelte, aber entschlossene Frau wird es jedoch eher um eine instinktive Vorahnung gehen und weniger um Einbildungskraft. Daher scheint der philippinische Ausdruck hiwatig wesentlich zutreffender zusein, weil er Begriffe wie Vorwarnung, Instinkt, Vorahnung und Verdacht einschließt. Damit öffnet er sich für eine übernatürliche Ebene und bezieht sich nicht ausschließlich auf menschliche Wesen, sondern auch auf andere Spezies und mystische Gestalten.

Die Poesie als Quelle von Fantasie und Spekulation macht hier die Stärke des Buches aus. Das Substantiv people / Menschenwird zu einem Verb, das für das Besiedeln und Ausgestalten der Atmo- sphäre steht. In dieser Konstellation treffen Natur und Geschichte, Ethos und Ökologie wunderbar aufeinander. Die Schlüsselbegriffe Fantasie, Menschen und Luft im englischen Motto The imagination peoples the air spielen allesamt auf den Kontext des Lesens und Schreibens an: die Verfasser*innen und Adressat*innen von Texten, das Talent des eigenständig lesenden und schreibenden Individuums und die Gemeinschaft, die von der Wirkung (air) inspirierender Bücher angezogen wird. Für Philippiner*innen sind Bücher vor allem ein Symbol des Teilens und des gemeinsamen Wunsches, an der Welt der Geschichten, Ideen, Mythen, Fantasien und der Zukunft teilzuhaben. Der Ehrengastpavillon wird den Raum und die Atmosphäre für dieses Teilen bieten: demokratisch, wegweisend, mutig, kommunikativ, von Fantasie beseelt, ein Ansporn zum Handeln durch Vorahnung.

Die Philippinen werden ihren Ehrengast-Pavillon auf der Frankfurter Buchmesse 2025 mit Begeisterung und Zuversicht präsentieren. Diese Begeisterung basiert auf der Tatsache, dass die Buchmesse weit mehr als eine Reise- oder Handelsmesse darstellt und daher kein bloßes Marketinginstrument ist, das einfache und oberflächliche Themen werbegerecht für die Allgemeinheit aufbereitet. Ziel ist es vielmehr, philippinische Bücher einschließlich ihrer Übersetzungen mit Sorgfalt, Verstand, Stil und intellektueller Würde zu fördern und die Welt an der bewegten Geschichte der Autor*innen und ihrer Leserschaft, der Lese- und Schreibkompetenz und der Literatur des Landes sowie dem gegenwärtigen kulturellen Niveau teilhaben zu lassen.

Dieser sensible Ansatz prägt das Konzept der Philippinen als Ehrengast im elementaren wie im übertragenen Sinne, ohne dabei die Freude und Dynamik der Messe als Treffpunkt von Verleger*innen, Buchliebhaber*innen und einem breiten Publikum aus den Augen zu verlieren. Die Vision manifestiert sich durch die lebendige Präsenz der Menschen, die im Pavillon gemeinsam Bücher lesen.

In diesem Kontext sind die mündlichen Überlieferungen der Philippinen von zentraler Bedeutung, da sie die Vorherrschaft der Schriftkultur herausfordern. Der Pavillon wird sowohl die Lesekompetenz als auch die mündlichen Traditionen der Philippinen in den Vordergrund stellen, die Literatur der Stimme und die des Wortes.

Darüber hinaus sind sich die Philippinen der historischen Verantwortung ihrer Ehrengast-rolle voll bewusst, indem sie einen notwendigen genealogischen Brückenschlag zwischen den Philippinen und Deutschland vollziehen. Das Bindeglied ist kein Geringerer als Jose Rizal, Nationalheld, außergewöhnlicher Schriftsteller, Leser, Universalgelehrter und Inspiration für zahllose Philippiner*innen, die zeitgleich mit ihm geschrieben und ihn in revolutionären und anderen Zeiten gelesen haben. Rizals Auseinandersetzung mit Deutschland und namhaften deutschen Persönlichkeiten ist Teil dieser Rahmensetzung, ebenso wie Rizals Beziehung zu seiner Heimat und seinem Exil. Diese rief im 19. und 20. Jahrhundert in Südostasien eine internationale Solidarität hervor und sorgte für die notwendige Resonanz in der heutigen philippinischen Diaspora. Dieser Kontext ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Gestaltung von Ausstellungen und weiterführenden Projekten in Heidelberg, wo Rizal studierte, in Berlin, wo Noli Me Tangere veröffentlicht wurde, und in Frankfurt, wo die Buchmesse stattfinden wird.

Patrick Flores
Kurator des philippinischen Ehrengast-Pavillons

Tab 2

Das visuelle Erscheinungsbild

White logo of the curatorial theme on a blue background

Das visuelle Erscheinungsbild folgt dem Motto Fantasie beseelt die Luft while conveying the act of ‘imagining’ as a graphic and geometric abstraction brought to life. To imagine is to form ideas, visions, and sensations until an image becomes concrete. The main logo visualizes this process: an ascending grid — as imagining lifts us up in the air, spiritually or mentally — that starts transparent from the left up until it becomes more solid.

Bücher werden von Fantasie beflügelt, insbesondere solche, die die Grenzen der philippinischen Literatur erweitern. Das Spektrum reicht von Sagen über außergewöhnliche Wesen, die mündlich überliefert wurden, bis hin zur Neubearbeitung vorkolonialer Mythen für ein heutiges Publikum. Das Logo „hebt ab“, wobei auch die Buchstaben diesem aufsteigenden Winkel folgen und so an das gemeinschaftliche Vorwärtsstreben der Nation erinnern.

Die 135 Punkte des 9 x 15 Rasters lassen sich als Elemente der Vorstellungskraft verstehen. Aus einem formlosen Zustand heraus finden sie ihren angestammten Platz und fügen sich zu einer klareren Struktur zusammen.

Das Idee des Rasters basiert auf drei Inspirationsquellen: dem Buchdruckverfahren des 19. Jahrhunderts aus der Zeit, als Noli entstand, dem Rasterdruck, bei dem Bilder in Punkte zerlegt werden, um ein Ganzes zu formen, und den Pixeln, die wir auf den Bildschirmen vieler heutiger Geräte finden.

Das Buchdruckverfahren inspirierte auch die Schriftarten, die für das visuelle Erscheinungsbild des philippinischen Ehrengast-Auftritts verwendet werden. Neue Haas Grotesk und Adobe Jenson Prosind Annäherungen an die Schriftarten, die für den ersten Druck von Noliverwendet wurden. Neue Haas Grotesk oder Helvetica basieren wiederum auf der berühmten Schriftart Akzidenz-Grotesk aus dem 19. Jahrhundert, die um die 1890er Jahre in Gebrauch war. Die Serifenschrift Adobe Jenson kombiniert Schriftarten aus der Renaissance, die von Nicolas Jenson und Ludovico degli Arrighi geschaffen wurden.

color palette

Das Farbschema des visuellen Erscheinungsbilds geht ebenfalls auf die literarische Quelle des Mottos zurück und spiegelt Rizals Beschreibungen lebhafter Farbtöne in den Schauplätzen und Figuren seines Romans wider. Mit Ausdrücken wie „Der Sand bestand aus Goldstaub und Steinen“, „Der blaue Himmel glich einer frischen Brise“ oder „Die grünen Reisfelder“ erweckt Rizal seine Philippinen zum Leben und die Schilderungen verschmelzen zu einem kraftvollen literarischen Werk.

glyphs

Letztlich umfasst das visuelle Erscheinungsbild auch Schriftsymbole, die als spielerische Darstellung der Vorstellungskraft interpretiert werden können und zugleich auf die kulturelle Vielfalt der Philippinen hinweisen.

Diese sind von der Baybayin-Schrift inspiriert, einem alten Schreibsystem, das die philippinische Bevölkerung vor der spanischen Kolonialisierung verwendete. Die Symbole stellen Figuren oder Objekte dar, die in Noli eine zentrale Rolle spielen. Vorbild dafür ist das Schreibsystem, das die Romanfigur Philosoph Tasio für künftige Generationen erfindet und mit den Worten kommentiert: „Die Generationen dagegen, die diese Zeichen entziffern kann, wird eine aufgeklärte Generation sein, sie wird mich verstehen und sie wird sagen: ‚Nicht alle haben geschlafen in der Nacht unserer Vorväter!‘“

 

Visuelle Identität von Dino Brucelas